Kommentar: Seyder argumentiert wie Rechtspopulisten

Er habe nichts übrig für die politische Rechte, sagt Professor Ferhad Seyder. Trotzdem argumentiert er wie sie – islamfeindlich, rassistisch, postfaktisch. Und das zum wiederholten Mal. Es ist an der Zeit, ihm zu widersprechen.

Der Islam und eine „Masseneinwanderung“ machen aus Deutschland einen instabilen Vielvölkerstaat, während der Gesellschaft eine heile Welt vorgespielt wird. So lassen sich die Aussagen des Erfurter Universitätsprofessors Ferhad Seyder in seinem Interview mit der rechts-konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit (UNIversal berichtete) zusammenfassen.
Ein Ängste schürendes Szenario, vor dem auch die Rechtspopulisten der Alternative für Deutschland oder PEGIDA warnen. Mit solchen Gruppierungen möchte Ferhad Seyder aber scheinbar nichts zu tun haben. „Ich habe wirklich nichts übrig für die politische Rechte, aber ich fürchte, in diesem einen Punkt könnte sie vielleicht doch recht behalten“, behauptet er in dem Interview.

Der Islam als gemeinsames Feindbild

Dumm nur, dass Seyder das Gleiche bereits Anfang des Jahres der Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen sagte, als er die Silvesterübergriffe von Köln auf die kulturelle Herkunft der Täter zurückführte. Offensichtlich gibt es mehr als bloß einen Punkt, in dem Seyder und „die politische Rechte“ übereinstimmen. Tatsächlich argumentiert er regelmäßig wie sie – islamfeindlich, rassistisch, postfaktisch.

Schon seine Behauptung, es gebe keinen friedlichen Islam, ist eine rassistische und realitätsferne Verallgemeinerung. Sie verteufelt jeden Menschen muslimischen Glaubens als potenzielle Gefahr. Da ist es folgerichtig, dass Seyder in der Islamkonferenz nichts anderes sieht als ein Zugeständnis an Fundamentalisten, um diese von Anschlägen abzuhalten. „Motto: ‚Ihr bekommt Extrawürste – bloß keine Bomben!’“, wie er es im Interview mit der Jungen Freiheit veranschaulicht. Als würde die Regierung mit Terroristen verhandeln, statt mit einer Interessengemeinschaft zu reden.
Die Abwertung der Muslime erreicht eine noch höhere Stufe, wenn Seyder erzählt, er rechne in Zukunft mit „mehr islamische[m] ‚Wildwuchs’“ in Deutschland. „Wildwuchs“ ist kein Wort für Menschen. Es ist ein Wort für Unkraut.

Wissenschaftlicher Anstrich für rechte Verschwörungstheorien

Hinzu kommt, dass Seyder als Professor mit seinen Aussagen den Verschwörungstheorien der Rechten einen wissenschaftlichen Anstrich gibt.
In einem Gastbeitrag für die Junge Freiheit vom 17. September 2015 schreibt Seyder, es sei nicht auszuschließen, „daß Merkel und die regierende Riege (…) eine Art Bevölkerungssubstitution intendieren.“ Somit folgt er der rechtsextremen These einer angeblich stattfindenden „Umvolkung“, wonach das deutsche Volk schleichend durch andere ethnische Gruppen ersetzt werde.

Abgesehen von seinen Äußerungen ist Seyders Medienwahl bezeichnend.
Neben der Jungen Freiheit hat er außerdem dem russischen Propagandasender Russia Today ein Interview gegeben. Diese Medien sind bekannt für ihre einseitige sowie manipulative Berichterstattung zu rechten Kernthemen wie Asyl oder dem Islam. Wer mit ihnen zusammen arbeitet, legitimiert sie nur unnötig.

Wenn Ferhad Seyder dazu noch als Professor der Universität Erfurt auftritt, repräsentiert er dadurch immer die Universität selbst. Deswegen dürfen seine mehrfachen Ausfälle nicht unbeantwortet bleiben. Erst recht nicht, falls er sich in seinen Lehrveranstaltungen ähnlich äußern sollte. Es liegt an den Angehörigen dieser Universität, dann klar zu widersprechen.

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