Studierendenrat erhöht Semesterbeitrag

Ab dem Sommersemester 2018 verlangt der Studierendenrat (StuRa) der Universität Erfurt von den Studierenden einen Semesterbeitrag von zehn statt wie bisher sechs Euro. Das hat der StuRa in seiner vergangenen Sitzung am Mittwoch, 25. Oktober, durch eine Änderung der Beitragsordnung beschlossen.

Die Erhöhung des Beitrags wurde mit 16 Ja-Stimmen und einer Enthaltung nach geheimer Abstimmung angenommen. In der vorangegangenen Diskussion betonte der Studierendenrat den Mehrwert, den ein höherer Semesterbeitrag für die Studierenden bringe.

Über die Hälfte der zu erwartenden Mehreinnahmen soll nach den Plänen des Gremiums für studentische Veranstaltungen verwendet werden. Tristan Stinnesbeck, Leiter des Kulturreferats, berichtete, dass es das Interesse von Fachschaftsräten und Hochschulgruppen gebe, mehr und bessere Veranstaltungen anzubieten. Gerade für solche Veranstaltungen habe das Geld in den letzten Jahren nicht gereicht, wie Vorstandsmitglied Jeannine Burkhard im Gespräch mit UNIversal erläuterte. Dabei gehe es neben Partys auch um Veranstaltungen wie Lesungen, Ausstellungen und Vorträge, die nicht kostendeckend durchgeführt werden könnten. Während das kulturelle Angebot für Studierende in Erfurt allgemein abnehme, sieht Vorstandsmitglied Jannes Pittermann jetzt den StuRa als „Hauptanbieter für Studierende“ in der Verantwortung, „Kultur in die Stadt zu bringen und Veranstaltungen zu machen“.

Finanztopf für Rechtsbeihilfe

Darüber hinaus will der StuRa finanzielle Rechtsbeihilfe für Studierende ermöglichen, die eine professionelle Rechtsberatung in Anspruch nehmen oder gegen die Universität klagen wollen – zum Beispiel bei Streits in Prüfungsangelegenheiten. „Da sind hunderte Studierende betroffen“, ist sich Jeannine Burkhard sicher. Studierende, für deren Rechtsfragen es keine Anlaufstelle an der Universität gebe, ergänzt Jannes Pittermann. Zwar gebe es die Rechtsberatung des Studierendenwerks Thüringen, dieses habe aber viel zu lange Wartezeiten, wie der StuRa aus eigener Erfahrung wisse. Insbesondere gebe es auch dort keine gesonderte Stelle, die in Fragen zu Prüfungsordnungen berät.

Vom Semesterbeitrag will der StuRa außerdem ab dem Sommersemester 2018 eine Aufwandsentschädigung für die arbeitsintensiven Posten des Vorstands und des Finanzreferats zahlen. Die aktuell gewählten Mitglieder profitieren davon also noch nicht. Bemängelt wurde in der Diskussion, dass noch nicht feststeht, wie hoch die Entschädigung im Einzelnen ausfallen wird. Trotzdem könne man dem StuRa nicht vorwerfen, dass das Konzept nicht durchdacht sei, meinte StuRa-Mitglied Jakob Reinhold. Schon im Mai dieses Jahres hatte der StuRa in seiner konstituierenden Sitzung über eine Erhöhung des Semesterbeitrags nachgedacht. Seit 2009 lag dieser bei sechs Euro pro Semester.

Kritik an der Kommunikation des Studierendenrates

Kritik gab es vor allem daran, wie der Studierendenrat die Studierenden über die geplante Beitragserhöhung informiert hat. Der StuRa hatte eine Woche vor der Entscheidung eine Bekanntgabe an seinem Büro ausgehängt. Um den Weg zur Abstimmung transparent zu gestalten, hätte der StuRa mehr tun müssen, findet Master-Studentin Lilly Sommer: „Es ist deren Pflicht, darüber zu informieren, weil es letzten Endes an das Geld der Studierenden geht“. Um mehr Transparenz zu schaffen, postete die Studentin in einer Erstsemestergruppe eines sozialen Netzwerks, was sie über die Erhöhung wusste. Sie selbst habe erst durch Mundpropaganda von dem Thema erfahren.

Ihrer Ansicht nach fehlt ein E-Mail-Verteiler, über den der StuRa alle Studierenden erreichen könnte. Aus Datenschutzgründen sei ein solcher Verteiler aber nicht möglich, sagt der StuRa. Mehrere StuRa-Mitglieder merkten dagegen an, dass Information keine „Einbahnstraße“ sei. Die Sitzungen seien öffentlich und die Protokolle könnten auf der Universitäts-Website eingesehen werden. Angebote wie die Vollversammlung hätten aber gezeigt, dass sich kaum jemand für die Arbeit des Studierendenrates zu interessieren scheint.

Master-Studentin Lilly Sommer zu ihrem Wunsch nach einem E-Mail-Verteiler für den StuRa

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