Studierendenrat widerspricht Aufruf von Hochschullehrenden

Der Studierendenrat der Universität Erfurt widerspricht einer Gruppe von Hochschullehrenden, die sich gegen die geplante Reform des Thüringer Hochschulgesetzes positioniert hat. Der Aufruf der Lehrenden gegen eine „Schwächung des Hochschulstandorts Thüringen“ enthalte „völlig haltlose Behauptungen“.

Ausgegangen ist der sogenannte „Erfurter Aufruf“ gegen die vorhergesehene Reform des Thüringer Hochschulgesetzes (ThürHG) vom Erfurter Verein Staatswissenschaftliches Forum e. V., dem der Universitätsprofessor Dr. Hermann-Josef Blanke vorsitzt. Der Aufruf hat inzwischen 129 Unterstützende und warnt davor, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Thüringer Hochschulen eingeschränkt werde. Kritisiert werden vor allem die geplanten Regelungen für die Zusammensetzung der Hochschulleitungsgremien. Diese sollen nach dem Vorhaben der Landesregierung zukünftig zu gleichen Teilen aus Lehrenden, Mitarbeiter*innen und Studierenden bestehen. Aktuell sind die Lehrenden in den Gremien deutlich stärker vertreten als die anderen Gruppen. In Fragen von Forschung und Lehre sollen die Lehrenden aber auch nach der Reform ihre Vormachtstellung behalten.

Die für den Aufruf Verantwortlichen bemängeln daran, dass nahezu jede Entscheidung in den Gremien eine Angelegenheit von Forschung und Lehre sei und deshalb nicht von anderen Angelegenheiten zu trennen wäre. Die Frage, in welche Bereiche einzelne Entscheidungen fallen, werde die Arbeit der Gremien behindern, fürchten die Lehrenden. Zudem gehe es bei der Besetzung der Gremien nicht um eine „demokratisch-egalitäre Repräsentation der Mitgliedergruppen“, sondern um die Sachkompetenz der Entscheidungstragenden. Darum komme den Professor*innen mit ihrem „gefächerten Sachverstand“ eine Sonderstellung zu, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Auf den Aufruf folgt der Rückruf

Der Studierendenrat (StuRa) der Universität Erfurt hält diese Argumentation laut seiner Stellungnahme, dem „Erfurter Rückruf„, für nicht nachvollziehbar. Zunächst kritisiert er die Denkweise, dass Hochschulen genauso wie Unternehmen im Wettbewerb miteinander stünden. Abgesehen davon sei der für hochschulpolitische Entscheidungen nötige Sachverstand darüber hinaus nicht von einer wissenschaftlichen Kompetenz abhängig. Für den StuRa entstehe hingegen der Eindruck, als gehe es den Lehrenden darum, „einen drohenden Verlust von Privilegien abzuwenden, anstatt an pluralistischer Lehre und Forschung interessiert zu sein“. Auch beim Thema Anwesenheitspflicht wirft der StuRa den Unterzeichner*innen des Aufrufs vor, keine Rücksicht auf studentische Belange zu nehmen.

Das Staatswissenschaftliche Forum ist gegen eine geplante gesetzliche Regelung, dass es grundsätzlich keine Anwesenheitspflicht an Thüringer Hochschulen geben soll. Die „Abschaffung der Anwesenheitspflichten“ schade der Qualität des Studiums, da die „Einführung eines flächendeckenden Fernstudiums“ drohe. Eine „gemeinsame Erarbeitung von Wissen“ und die „Fähigkeit zum akademischen Diskurs“ nehme aber einen wichtigen Stellenwert im Studium ein. Nach Ansicht der Lehrenden sollen Studierende „dabei unterstützt werden, sich zu mündigen und eigenverantwortlichen Persönlichkeiten zu entwickeln“.

Dass Studierende „durch Zwang zu mündigen und eigenverantwortlichen Personen“ erzogen werden sollen, empfindet der Studierendenrat als widersinnig. Stattdessen müssten Studierende die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, wie sie sich die Studieninhalt aneignen und welche Lehrveranstaltungen sie besuchen. Da manche Studierende darauf angewiesen sind, ihr Studium durch Nebenjobs zu finanzieren, würden diese durch eine Anwesenheitspflicht benachteiligt. Der StuRa setzt sich deshalb für eine Reform des Thüringer Hochschulgesetzes ein.

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