Gebäudemängel beeinträchtigen Lehrbetrieb – Bibliothek droht Sperrung

An der Universität Erfurt häufen sich Gebäudemängel, die den Lehrbetrieb massiv beeinträchtigen. Während das Audimax bereits seit fast drei Jahren wegen Brandschutzmängeln geschlossen ist, droht nun die Bibliothek aus denselben Gründen gesperrt zu werden.

Update (16.12.2017): Der Termin für die Abnahme der Universitätsbibliothek wurde verschoben. Diese soll doch erst am 15. Januar stattfinden, wie Carmen Voigt, Leiterin der Hochschulkommunikation, mitteilte. Am Montag, 11. Dezember, hätten sich die Hochschulleitung sowie Verantwortliche der Feuerwehr, der Stadt und des Landes auf den neuen Termin geeinigt. Die Prüfung war eigentlich bereits für Mitte Dezember geplant.

Wie Universitätskanzler Jan Gerken im Gespräch mit UNIversal berichtete, wurden bei der Erneuerung von Brandmeldern und Sprinkleranlagen in der Bibliothek diverse brandschutztechnische Mängel festgestellt. Die für die Abnahme des Gebäudes zuständigen Sachverständigen hätten daraufhin eine Frist gesetzt, in der die Mängel behoben werden müssen. Eine erneute Prüfung stehe Mitte Dezember an. Erfülle das Bibliotheksgebäude dann die Brandschutzvorgaben nicht, drohe seine Sperrung. Um das zu verhindern, werde die Universitätsleitung mit Verantwortlichen der Stadt und des Landes besprechen, wie das Gebäude sicher weitergenutzt werden kann, so Gerken. Dafür zieht der Kanzler auch den Einsatz von Brandwachen in Betracht, der jedoch hohe Kosten verursachen würde. Die Universitätsleitung wolle das Gebäude offen halten, „aber nicht unter allen Umständen“.

Im Lehrgebäude „Am Hügel“ dürfen sich aus Brandschutzgründen nur noch zehn Personen pro Stockwerk aufhalten.

Bauvorschriften kollidieren mit Denkmalschutz

Probleme mit dem Brandschutz gibt es auch beim Lehrgebäude 3 „Am Hügel“, welches vor allem von den Fachbereichen Kunst und Musik genutzt wird. Weil das Gebäude im Brandfall nur über Leitern der Feuerwehr evakuiert werden kann, dürfen sich höchstens zehn Personen gleichzeitig pro Stockwerk aufhalten, gab Gerken an. Bis vor kurzem sei darüber hinaus die Zufahrt zum Gelände zu eng für die Fahrzeuge der Erfurter Feuerwehr gewesen. Daraufhin sei die Toreinfahrt verbreitert und ein Halteverbot eingerichtet worden.

Ein Fahrverbot gilt dagegen für den Aufzug im Lehrgebäude 2, der vor nicht langer Zeit eingebaut wurde. Laut dem Kanzler greife durch den Einbau des Aufzugs der Bestandsschutz für das Gebäude nicht mehr. Das Gebäude müsse deshalb den heutigen Bauvorschriften entsprechen. Dafür seien aber die Treppengeländer zehn Zentimeter zu niedrig. Solange diese nicht erhöht werden, dürfe der Aufzug nicht betrieben werden. Allerdings stehe das Lehrgebäude 2 unter Denkmalschutz, welcher auch die Treppengeländer einschließe. Nun müsse geklärt werden, „wie wir diese Treppengeländer um zehn Zentimeter erhöhen können und dem Denkmalschutz gleichzeitig gerecht werden“, sagte Gerken. Außerdem werden zurzeit Sanitäranlagen im Gebäude renoviert. Da durch die Arbeiten am Gebäude die Statik beeinträchtigt worden sei, müssten zudem Decken abgebrochen und erneuert werden, was den Lehrbetrieb massiv beeinflusse, führte Gerken weiter aus.

Wegen zu niedriger Treppengeländer darf der neue Aufzug im Lehrgebäude 2 nicht in Betrieb genommen werden. (Fotos: Universität Erfurt)

Sanierungsstau von über 65 Millionen Euro

Gar kein Lehrbetrieb findet hingegen seit knapp drei Jahren im Audimax statt. Da die Toiletten im Audimax-Gebäude in der Folge kaum genutzt worden seien, hätten sich die Grundleitungen zugesetzt, teilte der Kanzler mit. Nun können die Toiletten überhaupt nicht mehr benutzt werden. Dabei würden sie gebraucht. Denn auch wenn im Audimax keine Vorlesungen mehr gehalten werden, finden in den Seminarräumen des Gebäudes weiterhin Lehrveranstaltungen statt. Für die großen Vorlesungen weicht die Universität stattdessen seit der Sperrung des Audimax am Campus auf das Audimax der Alten Parteischule aus. Anfang Dezember berichtete die Thüringer Allgemeine, dass Studierende dort in der Kälte sitzen mussten, weil die Heizung ausgefallen ist. Auf Drängen der Universitätsleitung habe der private Betreiber der APS einen Wärmetauscher ausgewechselt, merkte Gerken dazu an. Weiterhin stünden vier Wärmelüfter bereit, um den Hörsaal aufzuheizen.

Neben den Lehrgebäuden weisen auch Mitarbeitergebäude erhebliche Baumängel auf. So hat sich im Mitarbeitergebäude 3, der Villa Martin, beispielsweise Schimmel an den Kellerwänden gebildet. Insgesamt spricht die Universität von einem Sanierungsstau auf dem Campus von über 65 Millionen Euro.

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