Fremdenfeindlicher Angriff auf Studentin

Eine ausländische Studentin wurde in Erfurt gewaltsam angegriffen, kurz nachdem sie einen Club auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs verlassen hatte. Die Tat hatte wohl einen fremdenfeindlichen Hintergrund.

Die Attacke, die sich in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 2017 ereignet haben soll, beschreibt die Studentin der Universität Erfurt auf der Website von ezra, einer Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Nachdem die aus Afrika kommende Frau alleine den Club Kalif Storch verlassen habe, sei sie etwa 50 Meter weiter von einem Mann angegriffen worden. „Er war leider der Meinung, dass ich kein Platz in Deutschland habe und dass alle Ausländer am besten tot sein sollten. Er wurde handgreiflich“, erzählt die Studentin, die anonym bleiben will. Die Angst, die sie in dem Moment empfunden habe, sei unbeschreiblich. Nur mit Glück sei sie ohne große körperliche Verletzungen davon gekommen.

Die Studentin berichtet, dass sie in Erfurt sehr häufig Rassimus erlebe. Trotzdem habe sie nie damit gerechnet, Opfer eines körperlichen rassistischen Angriffs zu werden. Damit das, was ihr passiert ist, nicht vergessen oder ignoriert wird, habe sie ihre Geschichte veröffentlicht: „Ich möchte, dass Menschen Bescheid wissen und sich hierüber Gedanken machen.“ Wie ein Mitarbeiter von ezra auf Nachfrage mitteilte, habe sich die Studentin Anfang des Jahres an die Beratungsstelle gewandt. Der Vorfall sei bei der Polizei angezeigt worden. Auch habe man die Geschäftsführung des Clubs am ehemaligen Güterbahnhof über den fremdenfeindlichen Angriff informiert.

Was ist ezra?

ezra ist eine Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Trägerschaft der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland. Das Projekt wird im Rahmen des Thüringer Landesprogramms für „Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit“ und des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ gefördert. Im Jahr 2016 erfasste ezra 160 rechte Gewalttaten in Thüringen, davon 31 – und somit die meisten – in Erfurt. Die Daten für das Jahr 2017 wertet die Organisation derzeit aus.

Clubleitung reagiert: Sicherheitspersonal soll nun auch das nahe Gelände überwachen

Update (02.02.2018): „Es ist schrecklich, was der jungen Frau passiert ist und wir hoffen, dass sich solch ein Vorfall nicht wiederholt“, schreibt der Clubbetreiber, Hubert Langerock, in einer Stellungnahme. Das Sicherheitspersonal des Clubs habe den Angriff auf die Studentin nicht bemerkt, da es zu diesem Zeitpunkt keinen Überblick über die Zuwege zum Kalif Storch gehabt habe und auch nicht auf die Tat aufmerksam gemacht worden sei. Man habe aber direkt nach Bekanntwerden des Vorfalls mit dem Sicherheitspersonal gesprochen. „Sie stehen für unsere Gäste immer als Ansprechpartner zur Verfügung und sind dazu angehalten in Zukunft auch auf dem Gelände in unmittelbarer Nähe zum Club zu patrouillieren“, so Langerock weiter. Um die dunkle Zubringerstraße sicherer zu machen, wolle man schon seit längerer Zeit für Beleuchtung sorgen. Das dürfe der Club aber bislang nicht, da der Weg Eigentum der Bahn sei.
Unabhängig von der Beleuchtung steht für die Clubleitung aber fest, wer sich nicht auf den Weg zum ehemaligen Güterbahnhof machen muss: „Es gibt bei uns keinen Platz für Rassismus oder Faschismus!“

Der ehemalige Güterbahnhof in Erfurt: Nachts ist das abgelegene Gelände dunkel und oft menschenleer. (Foto: frischr „Zughafen Gebäude außen“ [CC BY-NC-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/)], via Flickr, Bearbeitungen: Zuschnitt und Unkenntlichmachung der Kennzeichen)

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